Zusammen mit GESIS in Mannheim wertet unser Arbeitsbereich an der Uni Hamburg die Daten der aktuellen PIAAC-Studie bezogen auf Erwachsene mit geringer Lesekompetenz aus.

An dieser Stelle veröffentlichen wir die Ergebnisse zum Thema Praktiken als PDF-Präsentation. Es liegt zusätzlich eine Version mit Presenter-Kommentaren vor, auf denen Sie zusätzliche Informationen zu den jeweiligen Grafiken finden.


Zentrale Befunde zu den Praktiken:

Literale Praktiken:

Alle literalen Praktiken – bei der Arbeit oder zu Hause – werden statistisch signifikant seltener von gering literalisierten Erwachsenen ausgeführt.

  • Notizen und E-mails nehmen deutlich zu, auch für gering literalisierte Erwachsene (Folie 12, Folie 25).
  • Das Lesen von Büchern (z.B. Romane oder Sachbücher) hat nicht abgenommen (Folie 26).
  • Das Lesen von Rechnungen und Bankauszügen hat nicht zugenommen (Folie 28).

Numerale Praktiken:

Nicht alle numeralen Praktiken weisen signifikante Unterschiede zwischen höher und geringer literalisierten Erwachsenen auf.

  • Pläne, Karten und Navigationssysteme werden von allen genutzt (Folie 37).
  • Messungen im Arbeitskontext (Längen, Gewicht, Temperaturen, Dosierungen, Flächen oder Volumen) werden bei geringer Literalität häufiger ausgeführt (Folie 38).
  • Das gilt allerdings nicht für Messungen (Kochen, Gartenarbeit, Nähen, Reparieren) im privaten Bereich (Folie 45).

Digitale Praktiken:

Alle digitalen Praktiken weisen signifikante Unterschiede zwischen höher und geringer literalisierten Erwachsenen aus.

  • Gering literalisierte Erwachsene nutzen digitale Geräte bei der Arbeit seltener zur Information (Folie 52) als im privaten Bereich (Folie 62).
  • Kommunikation (Folie 61) und Information (Folien 62) werden von gering literalisierten Erwachsenen gleichermaßen mit digitalen Geräten vorgenommen.
  • Etwas seltener nutzen sie digitale Geräte zur Unterhaltung (Folie 63).

Die Thesen:

Die Praktiken verweisen auf einige Bereiche, in denen gering literalisierte Erwachsene über durchaus solide Ressourcen verfügen (Messen bei der Arbeit, Informationsrecherche im Privaten), die im jeweils anderen Bereich nicht genutzt werden. Mögliche Gründe hierfür könnten sein, dass gering literalisierten Erwachsenen im Arbeitskontext möglicherweise keine Informationsrecherche zugetraut wird, obwohl sie dazu durchaus in der Lage wären. Umgekehrt sind sie im privaten Bereich womöglich nicht in Garten- oder Reparaturgruppen eingebunden, die sie aufgrund ihrer beruflichen Kompetenz eigentlich bereichern könnten.


Basierend auf den Daten des ersten PIAAC Cycles hatten Anke Grotlüschen, David Mallows, Stephen Reder und John Sabatini 2016 eine umfangreiche Level-One-Analyse als OECD Thematic Report vorgelegt.

Grotlüschen, A. et al. (2016), “Adults with Low Proficiency in Literacy or Numeracy”, OECD Education Working Papers, No. 131, OECD Publishing, Paris, https://doi.org/10.1787/5jm0v44bnmnx-en